Donnerstag, 28. Juni 2012

Und hier ist der Artikel:

Partnerschaft mit dem Regenbogen
Kultur und Austausch

Münster. An diesem Samstag (30.06.2012) reisen 15 Mitglieder aus der
Gemeinde St. Franziskus in Münster als "Team Biras" nach Timbiras in Brasilien. Dies ist alles andere als eine Pauschalreise: Die elf Jugendlichen, zwei jungen Erwachsenen und zwei erwachsenen Begleiter, die von Münster aus nach Timbiras in Brasiliens reisen, planen diese Reise seit zwei Jahren mit Vorbereitungstreffen alle zwei Wochen. Sie werden fast fünf Wochen im Nordosten Brasiliens sein und keinen Erholungsurlaub haben. Aber das wollen sie auch gar nicht. Sie wollen in jeder Hinsicht Grenzen überschreiten: Landesgrenzen sowieso, aber auch Kulturgrenzen und Sprachgrenzen. Sie wollen sich verausgaben – und das tun sie unter Einsatz jeder denkbaren Energie.

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2005 kamen zwei Brasilianer aus Timbiras als Gäste nach Münster, um von dort aus den Weltjugendtag mitzuerleben. Aus diesem Besuch entwickelte sich das Partnerschaftsprojekt "Arco-Iris – Regenbogen", ein Förderzentrum für Kinder. 2007 wurde für das Projekt ein Verein gegründet. Alle zwei Jahre erfolgen gegenseitige Besuche, mal in Münster, mal in Timbiras. Vor zwei Jahren belegten die jungen Erwachsenen aus der St.-Franziskus-Gemeinde mit "Arco-Iris" den dritten Platz beim Nord-Süd-Preis der Stadt Münster.

Und was hat der Verein inzwischen erreicht? Die Mitglieder haben dafür gesorgt, dass in Timbiras ein Haus gebaut werden konnte, in dem zurzeit fünf Festangestellte mit 60 Kindern arbeiten. Für diese Arbeit sammeln oder kaufen die Jugendlichen aus St. Franziskus derzeit Spiele und Büromaterialien, Handtücher und Plastikbehälter – eben alles, was die Partner in Brasilien benötigen. Es soll aber nicht nur darum gehen, Spendengelder und -materialien nach Brasilien zu schicken und zum Einsatz zu bringen. Das Projekt lebt auch von der freundschaftlichen Zusammenarbeit und davon, dass sich alle Beteiligten mit ihren Möglichkeiten einbringen.
Leben in Gastfamilien

In diesem Sommer wollen Deutsche und Brasilianer in Timbiras gemeinsam einen Spielplatz bauen. Auch auf das Spielen und Lernen im Vereinshaus freuen sich alle. Und auf das Leben in den Gastfamilien, die allerdings nur Portugiesisch sprechen. Da ist die erste Voraussetzung eine gute Kenntnis der Sprache, um miteinander reden zu können. Und das heißt: Die jungen Leute leisten sich einen wöchentlichen Sprachunterricht bei in Münster lebenden Brasilianern, den jeder selbst bezahlt.

In Brasilien wollen die Münsteraner nicht nur etwas über Land und Leute erfahren, sondern sie wollen auch vorstellen, was Deutschland und Münster, ihren Alltag und ihr persönliches Leben bestimmt. Zu diesem Zweck haben sie eine Art Kulturprogramm vorbereitet, bei dem sie – alles in Portugiesisch und mit großformatigen Abzügen charakteristischer Fotos – in Kurzreferaten erklären: was zum Beispiel ihr Leben in Münster ausmacht und welche persönlichen Ängste und Wünsche sie beschäftigen, beispielsweise der Klimawandel oder berufliche Möglichkeiten. Konkret werden soll das auch in Beiträgen mit Musik, Tanz und Spiel. Und diese Vorstellung ihrer Lebenssituation nehmen die jungen Leute nicht weniger ernst als die praktischen Voraussetzungen für den Bau eines Spielplatzes.

Auch alle anderen Bedingungen ihrer Reise haben die Jugendlichen im Blick: die notwendigen Impfungen, Medikamente und Moskitonetze, die Zuschüsse für die Reise, die selbstverständlich nicht aus den Spendengeldern finanziert ist, Geldwechsel und Kleidung für die außergewöhnlichen klimatischen Verhältnisse, als wären sie erfahrene Weltreisende.

Dabei sind bis auf Andreas Rehm, Pastoralreferent der St.-Franziskus-Gemeinde, alle zum ersten Mal auf dem Weg nach Brasilien.

Rehm fragte beim vorletzten Treffen: "Wie ist die Stimmung?" Ein Stimmengewirr ist die Antwort: "Die Spannung steigt", ist man sich einig. "Nur noch zwei Wochen." Und: "Zwei Wochen sind viel zu kurz." Aber auch: "Ich glaube trotzdem, dass wir ganz gut vorbereitet sind." Sie werden von ihren Erlebnissen berichten.

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