Wer hat an der Uhr gedreht....?
Kaum zu glauben, dass unsere letzte
Woche in Timbiras sich schon fast dem Ende zuneigt. Sie stand und steht unter
dem Motto "Was wir unbedingt noch tun möchten...", und das ist so
viel, dass ich nur einiges andeuten kann.
Natürlich war es uns besonders
wichtig unser Projekt zu beenden, was wir auch mit HIlfe unserer Freunde
geschafft haben. Haus und Spielgeräte sind nun fertig gestrichen, der
Sandkasten mit den bunten Flaschen umrandet und mit Sand gefüllt, der restliche
Sand auf dem Gelände verteilt.
Dann war es uns noch wichtig, die
Natur hier ausführlich zu erleben: Sonnenauf- und -untergang, das Besteigen
eines Berges mit wunderbarem Blick über Timbiras, verschiedene Fahrten in das
immer wieder bezaubernde "Interior" (Hinterland), der Besuch des
Wochenmarktes und anderes. Als nächstes wollten wir noch einige für Timbiras
typische kulturelle Leckerbissen so kennen lernen, dass wir sie mit nach
Deutschland bringen können: Lieder (u.a. mit dem Jugendchor), Tanz (die Jugendlichen
üben gerade Quadrilha), Essen (jedeR hat ein Gericht gelernt)...
| ein Teil von Timbiras - aus der Vogelperspektive... |
Und außerdem haben wir (bzw. habe
ich) noch einige Personen kennen gelernt, die sich mit ihren ganz speziellen
Fähigkeiten für das Gemeinwohl engagieren. Zum Beispiel eine Equipe, die sich
für den Kinder- und Jugendschutz einsetzt und dafür viel Kritik einstecken
muss. Oder Piedade und ihren Mann, die sich auch über den Tod ihrer geistig und
körperlich behinderten Tochter Ana Carolina hinaus für die Integration und
Inklusion von Menschen mit Behinderungen in diese von Unsicherheit,
Unwissenheit und Vorurteilen durchsetzte Gesellschaft engagieren. Oder Rosimar,
die als Heilpraktikerin mit einfachen Mitteln vielen Menschen hier besser und
günstiger helfen kann als so mancher Arzt. Oder eine Gruppe junger Erwachsener
("fonte de vida"), die im Geist des Heiligen Franziskus völlig arm
und nur von Spenden leben und versuchen, Kindern und Jugendlichen durch
Theater, Tanz, Musik und Kunst den Weg in ein besseres Leben zu zeigen. Oder die
brasilianischen Palottiner-Schwestern, die die verschiedenen relativ autonomen
Gruppen der Gemeinde koordinieren. Oder die Mitglieder einer
"politischen" Jugendgruppe, die versuchen, durch Diskussionen und
Theater ihr kritisches Bewusstsein zu schärfen. Oder auch die Menschen in
Alegria (einem "Interior"), die mit Hilfe der Land-Pastoral (Martin
und Tuinha kannten wir ja bereits aus Coroata) versuchen, gegen den Widerstand
des Großgrundbesitzers ein würdiges Leben in Einklang mit der Natur für die
dort lebenden 400 Familien zu erstreiten. Und bestimmt habe ich noch einige
vergessen.
Ihr seht, dass unser Kalender noch
prall gefüllt ist. In den nächsten Tagen stehen noch Auswertungen und
Verabschiedungen auf dem Programm. Und ich habe den Eindruck, dass alle das
gerne noch ein wenig hinauszögern würden. Aber der Rückflug steht fest und
lässt sich nicht um eine Woche nach hiinten verschieben wie bei Marita, von der
wir uns schon gestern morgen verabschiedet haben. Montag morgen fahren wir dann
von hier aus nach Barrerinhas in die Lencoes, ein Naturschutzgebiet, ca. 200 km
westlich von Sao Luis am Meer gelegen, mit Sanddünen und Süßwasserseen, und
dann am nächsten Donnerstag nach Sao Luis um von dort aus unseren Rückweg
anzutreten. Alles Weitere wahrscheinlich erst danach...
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