Montag, 23. Juli 2012


Eigentlich hätte ich es gleich erkennen können an dem routinierten Handgriff, mit dem die zehnjährige Michaele die Jalousie der Werkstatt hochschob, dass sie nicht einfach einem Monteur Bescheid geben würde, dass ein Fahrrad zu reparieren sei. Aber dann brauchte ich doch etwas Zeitk, bs ich begriff, dass sie es selber macht - und wie! Druckluftmaschine anstellen, Ventil (Marke: Auto!) fürs Pumpen richtigstellen, Reifen mit dem Gerät aufpumpen, feststellen, dass er wieder Luft verliert, das Loch "erhorchen", das Rad abmontieren, den Mantel abhebeln, den Schlauch wieder flicken (und zwar mit einer bei uns unbekannten Klebe-Masse und einer schwergängigen Presse), abwarten, dann Schlauch und Mantel wieder anbringen und das Rad montieren, und zwar sowohl im richtigen Abstand zum Rahmen als auch mit der richtigen Spannung der Kette - mit blieb der Mund offen stehen. Da wir während des Wartens ein wenig Zeit hatten, weiß ich nun, dass ihr Vater vor vier Jahren plötzlich gestorben ist und sie daher in der Werkstatt mithilft, wenn sie nicht zur Schule muss, und sich daher so gut auskennt. Sie ihrerseits konnte gar nicht verstehen, warum ich mich so wundere und dass es in Deutschland nicht viele zehnjährige Mädchen gibt, die das können. Normal kostet das Reparieren zwei Reais (weniger als ein Euro!) und von mir wollte sie partout nichts nehmen, aber da ihre Werkstatt und schon ein paar Mal für lau geholfen hatte und ich so begeistert war, habe ich das natürlich nicht akzeptiert. Allein schon dieses Mädel kennen zu lernen, war es wert!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen