Eigentlich
hätte ich es gleich erkennen können an dem routinierten Handgriff, mit dem die
zehnjährige Michaele die Jalousie der Werkstatt hochschob, dass sie nicht
einfach einem Monteur Bescheid geben würde, dass ein Fahrrad zu reparieren sei.
Aber dann brauchte ich doch etwas Zeitk, bs ich begriff, dass sie es selber
macht - und wie! Druckluftmaschine anstellen, Ventil (Marke: Auto!) fürs Pumpen
richtigstellen, Reifen mit dem Gerät aufpumpen, feststellen, dass er wieder
Luft verliert, das Loch "erhorchen", das Rad abmontieren, den Mantel
abhebeln, den Schlauch wieder flicken (und zwar mit einer bei uns unbekannten
Klebe-Masse und einer schwergängigen Presse), abwarten, dann Schlauch und
Mantel wieder anbringen und das Rad montieren, und zwar sowohl im richtigen
Abstand zum Rahmen als auch mit der richtigen Spannung der Kette - mit blieb
der Mund offen stehen. Da wir während des Wartens ein wenig Zeit hatten, weiß
ich nun, dass ihr Vater vor vier Jahren plötzlich gestorben ist und sie daher
in der Werkstatt mithilft, wenn sie nicht zur Schule muss, und sich daher so
gut auskennt. Sie ihrerseits konnte gar nicht verstehen, warum ich mich so
wundere und dass es in Deutschland nicht viele zehnjährige Mädchen gibt, die
das können. Normal kostet das Reparieren zwei Reais (weniger als ein Euro!) und
von mir wollte sie partout nichts nehmen, aber da ihre Werkstatt und schon ein
paar Mal für lau geholfen hatte und ich so begeistert war, habe ich das
natürlich nicht akzeptiert. Allein schon dieses Mädel kennen zu lernen, war es
wert!
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