Lange
Zeit habe ich mit Brasilien nicht nur Sonne, Stand und Samba verbunden, sondern
auch das "tudo vale", das "alles ist möglich". Aber je
besser ich Timbiras und unsere Freunde hier kennen lerne, um so klarer wird
mir, dass das so nicht stimmt, zumindest nicht, wenn man nicht als Tourist,
sondern im Rahmen einer Partnerschaft und Freundschaft unterwegs ist. Ich merke
selber, an wie vielen Punkten es wichtig ist, sich anders zu verhalten als im
"normalen deutschen Alltag" und die Ratschläge unserer Freunde und
"Profis" zu beachten, weil man ansonsten sich selber oder den
Gastgebern Unannehmlichkeiten oder sogar Schäden bereiten könnte.
Nur
einige kleine Beispiele sollen das veranschaulichen.
Es
fängt an mit (allgegenwärtigen!) Kleinigkeiten, wie dem Trinken von Wasser -
und man muss hier viel Wasser trinken! Natürlich kommt nur gefiltertes oder
gekauftes Trinkwasser in Frage, nicht das aus dem Hahn, aber auch bei vielen
anderen Gelegenheiten muss man daran denken, wie etwa bei Obst und Gemüse (wie
gewaschen?), bei Eiswuerfeln oder beim Zähneputzen. Ein kleiner Moment der Unanchtsamkeit kann
schwerwiegende und - im wahrsten Sinne - überflüssige Folgen haben!
Ähnliches
"Umdenken" gilt für den Umgang mit Toilettenpapier: wenn man es
versehentlich statt in den bereitstehenden Mülleimer in die Toilette geworfen
hat, drohen reziproke Folgen (bezogen auf die des Genusses von ungefiltertem
Wasser) für das Kanalsystem und seinen Besitzer.
| Wasserfilter |
Eine
der größten Sorgen unserer Gastgeber ist unsere Sicherheit. Bei unseren letzten
Besuchen haben sie festgestellt, wie anstrengend es für sie war, Gefahren von
uns fernzuhalten, für die sie selber sehr sensibel sind, die wir aber oft
überhaupt nicht einschätzen oder wahrnehmen können. Gerade vor ein paar Tagen ist
es noch vorgekommen, dass Leuten aus Timbiras mit vorgehaltener Pistole ihre
Handys abenommen worden sind oder bei einem Bandenkampf ein Jugendlicher
erstochen worden ist. Es kann gut passieren, dass wir diese drohende Gewalt gar
nicht oder erst zu spät wahrnehmen. Daher ist es gut, im Zweifel lieber ein
wenig vorsichtiger zu sein, um nichts zu riskieren und die Nerven der Gastgeber
nicht zu sehr zu strapazieren. Das bedeutet vor allem, nach Einbruch der
Dunkelheit nicht ohne einheimische Begleitung unterwegs zu sein, bei manchen
Wegen auch nur mit dem Motorrad und Handy und Kamera nciht zu offensichtlich zu
benutzen. Das bedeutet auch, bestimmte Situationen (Ansprache von Fremdem,
Besuch bestimmter Orte) ganz zu meiden oder bei Festen nicht bis zum Ende zu
bleiben, weil es beim Aufbrechen oft zu Auseinandersetzungen oder Unfälllen
durch Betrunkene kommt. Gerade neulich noch ist eine Verwandte von Carlas Gastmutter durch einen betrunkenen Motorradfahrer nach einem Fest so schwer angefahren worden, dass sie einen offenen Unterschenkelbruch erlitten hat und in ein weit entferntes Krankenhaus gebracht werden musste (in Timbiras kann nicht operiert werden!)
Nach
außen hin erscheint dies vielleicht wie eine Bevormundung oder Einschränkung
unserer Freiheiten, aber uns allen ist klar, dass es letztlich dazu dient, dass
wir alle miteinander diese Tage und Wochen genießen können.....
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