Samstag, 21. Juli 2012

Ein "poetisches Stilleben" aus Carlas Tagebuch:


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Gerade haben wir zu abend gegessen, mein Gastbruder sitzt nun auf der Couch und spielt mit einem alten Gameboy, die Tuer steht offen und ich habe mich nach draussen vor die Haustuer gesetzt.
Ganz nach einheimischer Art sitzt hier nun und guck auf die Strasse. Dass ich dabei schreibe ist eigentlich schon zu viel Bewegung bei dieser Taetigkeit...
Ich versuche mal kurz die Kulisse zu beschreiben, denn dieses vor der Haustuer sitzen und nix tun ist ein ganz typischer Anblick wenn man abends durch die Strassen schlendert.

Der Boden unter meinen Fuessen ist noch warm, mit T-Shirt und kurzer Hose ist es weder zu kalt noch zu warm. Es weht ein ganz laues Lueftchen, die Strassenlaterne beleuchten Orangegelb die mit dem groben Kies versehene Strasse. Ein paar Meter weiter hoert man froehliche Forro-Musik, die Grillen zirpen laut. Auf der Strasse faehrt langsam ein Auto mit herabgelassenem Fenster und Musik vorbei. Das Knattern und kurze Hupen eines Motos kommt hinzu. Hupen tut man hier irgendwie immer. Zur Warnung, zur Begruessung von Freunden auf der Strasse, um jemandem hinterherzupfeifen oder weil man gerade einfach Lust dazu hat. Aber das Hupen hoert sich hier freundlicher an, weil jeder nur fuer eine Millisekunde auf die Hupe haut.
Still ist es hier eigentlich nie, wenn kein Auto mit Boxen auf dem Dach durch die Strasse faehrt, dann kraeht ein Hahn  oder man hoert die Gespraeche der anderen Menschn (die Betonung liegt auf hoeren nicht auf verstehen).
Vor mir geht ein junges Maedchen mit gekonntem Hueftschwung und einer gruenen Plastiktuete in der Hand vorbei. Sie steigt mit einem grossen Schritt ueber die Pfuetze in der Mitte der Strasse, woher das Wasser auf den Strassen kommt, weiss man oft nicht so genau, und bevor man durch das Waschwasser anderer Leute watet, steigt man doch lieber drueber. In der Pfuetze schwimmt eine einsame weisse Plastiktuete, am gegenueberliegenden Strassenrand liegen Plastikbecher und alte Verpackungen zwischen den Baeumen. Es gibt in meiner Strasse nur auf einer Seite einen Buergersteig, der Bordstein fehlt teilweise und ist verblasst und grau. 5 m. weiter sitzt ein Mann wie ich vor dem Haus, er kaut auf einem Zahnstocher und hat die Beine hochgelegt. Eine kleine unterernaehrte Katze schleicht im Schatten der Baeume vorbei in denen tagsueber Urubus sitzen. Zwischdurch hoere ich das Bellen eines Streuners, das Klappern des Bestecks das gerade in der Kueche gespuelt wird und das Piepsen des Gameboys. Staendig muss ich nach den Muecken schlagen, die jede Sekunde nutzen um einen bis zur Unendlichkeit zu zerstechen. Es sind mittlerweile locker an die 50 Stiche, da nuetzt Autan auch nur begrenzt....
Das was ich sehe wenn ich einfach auf die Strasse schaue ist schmutzig und verblasst, aber trotzdem laut, bunt und irgendwie friedlich. Ich denke hier werden einfach unglaublich viele Gegensaetze vereint und das sieht man auch in allen Bewegungen des Alltags. Waehrend ich hier ganz ruhig sitze, schiessen mir unendlich viele Gedanken und Eindruecke durch den Kopf,ein Gedankenkarusell dessen Geschwindigkeit man mir von aussen mit Sicherheit nicht ansieht.
Wenn man hier so sitzt, scheint die Zeit an Bedeutung zu verlieren und ich bin einfach gluecklich und zufrieden hier zu sein. Und trotzdem bin ich mir der Gegensatze auch in diesem Moment bewusst, ich weiss waehrend ich hier sitze passieren vielleicht nur ein paar Strassen weiter schreckliche Dinge, in denen Menschen Bedrohungen ausgesetzt sind an die ich nicht mal denken will.
Aber bei mir in diesem Moment ist alles gut und die Welt in Ordnung.
So langsam verstehe ich warum die Menschen hier abends stundenlang einfach vor der Haustuer sitzen ;)
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