Freitag, 13. Juli 2012


Wie macht mein Gastgeber Carlos das nur? Er weiß immer, was ich gerade brauche, ob das nun ein kleiner Snack ist, ein Fläschchen Klebstoff, ein brasilianisches Wort oder eine Stunde länger Schlaf, und ist erst zufrieden, wenn es mir an nichts fehlt. Und ich könnte diese Liste nioch fortsetzen, obwohl ich erst seit drei Tagen in seinem Haus zu Gast bin.... Sehr beeindruckend!

Andere Gastgeber haben für ihre Gäste an ihrem Haus etwas angebaut, ein Zmmer eingebaut, gar ein neues Haus gebaut. Natürlich nicht nur für sie, sondern auch für sich, aber unser Besuch war der Anlass, bereits bestehende Wünsche und Pläne in die Tat umzusetzen.
Bei unserem Rundgang durch die Häuser der Gastfamilien am ersten Tag gab es (trotz Eleanas Hinweis, dass die Gaeste ja vor und nach dem Rundgang in ihren Familien genug zu Essen bekaemen) in jedem Haus etwas zu essen und zu trinken, und zwar in jedem Haus etwas anderes, etwas total Leckeres...
Wir Deutschen sind reich? Reich beschenkt!

Die Spannung in unserem Bus, der uns von unserem Hotel in Sao Luis nach Timbiras bringt, steigt spürbar. Seit fünf Stunden sind wir nun schon unterwegs auf den 300 km Landstraße Richtung Süden, langsam wird es dunkel. Der erste Anruf ausTimbiras auf Eleanas Handy, die Gastgeber sind dort schon versammelt und warten auf uns. Wir sind noch lange nicht so weit wie gedacht, es hat doch länger gedauert mit dem Bus, wir müssen bestimmt noch eine Stunde fahren. Die Mädels werden langsam etwas hysterisch und machen sich Gedanken, wie sie möglichst ohne Spuren der langen Reise aus dem Bus steigen können. Die Jungs lassen sich weniger anmerken, sind aber bestimmt nur äußerlich ruhiger. Immer wieder die Frage, wie lange noch. Längst schon kann man die Felder und Palmen nicht mehr erkennen, nur noch die Lichter der Straße und der Häuser. Wir fahren durch Coroata, jetzt nur noch 20 Minuten. Die Spannung steigt noch mehr. 
Was und vor allem wer wird uns erwarten - Eleana hat uns noch nichts verraten, außer dass viele Mücken da sind. Schließlich fahren wir durch Timbiras. Jedes kleine Detail, jedes Haus, jedes Gesicht wird mit Spannung wahrgenommen. Wir schalten das Licht im Bus ein, damit sich unsere Augen schon mal von der Dunkelheit entwöhnen. Endlich sind wir am Projekthaus angekommen - ganz viele Menschen, bekannte und unbekannte, warten auf uns mit einem riesigen und herzlichen Empfang. Nach ein paar Worten der Berüßung durch Franklin wird das Buffet eröffnet und wir stärken uns an den liebevoll zubereiteten und hergerichteten Speisen und Getränken. Unsere Gastfamilien bleiben im Kreis sitzen, und erst als Martina ihnen sagt, dass es für uns angenehmer sei, wenn sie mit uns essen, kommen sie dazu. Was für ein Gefühl - nach 10.000 km (13 Stunden) internationalem Flug, 3.000 km (vier Stunden) nationalem Flug, 300 km (sechs Stunden) Busfahrt: erwartet zu werden von Menschen, die sich auf uns freuen, die uns mögen, die sich für uns engagieren - und die wahrscheinlich genau so gespannt sind wie wir selber.


Liebe Leserinnen und Leser,

erst mal moechte ich mich bei allen entschuldigen, die seit einiger Zeit an dieser Stelle vergeblich auf unsere Berichte aus Timbiras gewartet haben.

Auf der einen Seite erleben wir hier einfach jeden Tag so vieles Neues, Interessantes, Spannendes ...., auf der anderen Seite aber ist oft so wenig Zeit dafuer, das alles aufzuschreiben und ins Internet zu setzen! Wir sind oft genug schon froh, wenn wir ein wenig Zeit finden, um das Erlebte in unserer Gruppe oder auch gemeinsam mit unseren Gastgebern zu besprechen und zu planen, was hier als naechstes ansteht. Und das ist wahrscheinlich auch typisch fuer das Leben hier: das man  viel mehr im Hier und Jetzt ist als im Spaeter und Anderswo.

Ausserdem funktioniert hier vieles ganz anders als bei uns. Manches ist viel leichter, anderes ist viel umstaendlicher. Einfacher ist es zum Beispiel, wenn man einen frischen Fruchtsaft trinken moechte. Dann geht der Gastgeber einfach in den Garten, schneidet eine Frucht ab, bereitet sie zu, steckt sie in den Mixer - fertig. Wenn ich aber ins Internet will, muss ich erst mal genuegend Zeit haben, und dann als naestes einen Ort, wo es einen Computer mit Anschluss gibt (Joisania hat zwar einen Computer, wartet aber seit einigen Tagen auf einen Anschluss!), dort muss jemand zu Hause sein, gerade nicht am Computer etc. etc., Mueckenschutz nicht vergessen, denn diese Tierchen nutzen gerade die Wehrlosigkeit der Menschen an diesem Geraet total schamlos aus. 

Einfacher als in Muenster war es gestern, als wir ueberlegten, dass es doch schoen waere, oben auf der Bruestung der "Bar" im Projekthaus Fliesen zu legen, damit diese nicht so leidet, wenn Glaeser und Behaelter darauf abgestellt werden. Joao kann Fliesen legen (er kann wahrscheinlich jedes Handwerk), faehrt sofort los und zwei Stunden spaeter ist alles fertig - Fliesen gekauft, geschnitten, geklebt, Fugen verputzt, Anschluesse gemacht In Deutschland haette man wahrscheinlich  erst mal einen Kostenvoranschlag aufgestellt und einen Architekten gesucht....

Schwieriger als in Deutschland ist es, wenn man -  wie mein Gastgeber neulich mit mir - mal eben mit seinem Gast jemand besuchen moechte und kein Auto oder Motorrad hat. Dann muss man erst mal ueberall anrufen (hoffentlich hat man ein Telefon, sonst wird es noch komplizierter!) und zwei Fahrer finden, die gleichzeitig Zeit haben und deren Motorrad fahrtuechtig ist - natuerlich sollte der Tante, die man besuchen moechte, auch zu Hause sein und das Programm eine zuverlaessige Luecke haben, die nicht kurz zuvor durch irgendeine spoantane Idee gefuellt worden ist. Hat man endlich jemand gefunden, steht man vor der Entscheidung, ob man die Fahrer in der Zwischenzeit wieder nach Hause schickt oder "warten" laesst. Ersteres ist mehr Aufwand fuer die Helfer, letzteres bedeutet, dass die beiden die ganze Zeit dabei sitzen und auch unterhalten und bekoestigt werden muessen...

Also, ich hoffe, Ihr habt nun ein wenig Verstaendnis, warum hier seltener etwas zu lesen war und sein wird, als wir es urspruenglich gedacht hatten.

Es folgen nun einigen Kurzberichte, die ich in den ersten Tagen geschrieben habe:
- ueber unsere Ankunft
- ueber unsere zuvorkommenden Gastfamilien und
- ueber unseren ersten Rundgang durch das Stadtviertel ("bairro"), in dem unser Projekthaus liegt.

Viel Vergnuegen beim Lesen!
Euer Andreas 

Dienstag, 3. Juli 2012

Aufbruch nach Timbiras

                                                                  Jakobs Fahrrari



soooo... Das Auto ist fertig gebaut und jetzt kanns losgehen ;) Und das Interressante ist, dass die Aufregung, endlich in das von den Berichten bekannte, aber dennoch unbekannte Timbiras zu kommen, relativ verflogen zu sein scheint. Einige spielen Gitarre und singen dazu, manche packen ihre Koffer und ein paar sind noch im Meer am Baden. Auf jeden Fall haben wir uns in den letzten Tagen gut ausgeruht und sind jetzt gestaerkt fuer die ca. 5 stuendige Busfahrt ins 320Km entfernte Timbiras.Zum Glueck haben wir einen eigenen Bus ;)

Montag, 2. Juli 2012


Bom Dia
Nos gostamos de Brasil!!!
Nach unserer ersten “richtigen” Nacht in Brasilien (flugzeugnaechte sind doch sehr unentspannt) haben wir gerade ein super leckeres Fruehstueck von unserer “anfitria” (Gastmutter) bekommen.
Aber last uns doch lieber von vorne beginnen:
Die Zugfahrt ueber Bonn, wo Martina zu uns gestossen ist, nach Frankfuhrt war abgesehen von einer grossen Kofferumraeumeaktion aufgrund eines ueberlaufenden Klos relativ entspannt. In Frankfuhrt haben wir dann als erstes unsere 21 Koffer aufgegeben, ohne Probleme, und uns bei einem gemuetlichen Picnic mitten im Wartebereich vor der Sicherheitskonntrolle entspannt. Dies schien auch ziehmlich noetig gewesen zu sein, da wir es fast geschafft haben unsere 3 Kg Salat, gefuehlte 5 Kg Rohkost, 1 Kg Frikadellen, saemtliche Baguettes mit Kaese Wurst und Ei, Muffins und Brownies zu „vernichten“. Gestaerkt von diesem Snack setzten wir unseren problemlosen Lauf beim Sicherheitscheck fort. Ausser Andreas... seine Sonnenmich musste er in ein kleineres Behaeltniss umfuellen und seine als Warndreieck getarnte Melodica (Floete) musste von den Drogen- und Sprengstoffexperten probe gespielt werden. Zum Glueck hatten wir danach noch genuegend Zeit um auf das Flugzeug warten zu duerfen. Problemloses Boarding um 20:30, wildes Plaetzetauschen untereinander und schon ging es los (21:35). Nach ca. 10.000 Km, 13 Stunden fliegen, 4 Filmen, 25 maligem Einschlafen erreichten wir morgens um 5:30 Ortszeit totmuede Rio de Janeiro. Die Passkontrollen liefen problemlos ab und dann waren wir offiziell in Brasilien. Leider mussten wir unsere Koffer selber „umchecken“, wir hatten aber genuegend Zeit um noch einen kleinen Spaziergeng durch Rio zu machen. Erneute Sicherheitskontrolle, diesmal aber viel „entspannter“.  Wieder warten und dann gings los in einem „Malle-Flieger“. Diesmal konnte man sehr gut aus dem Fenster schauen, wenn man nicht gerade versuchte etwas Schlaf aufzuholen. Am Flughafen in Sao Luis warteten schon Eleana und Luciana auf uns. Unsere ersten Tour durch Sao Luis machten wir unangeschnallt, mit Koffern auf dem Schoss und viel zu eng nebeneinander fuer dieses Wetter. Nachdem wir in unserem kleinen Familienhotel angekommen sind, machten wir uns direkt zum Strand, der nur 10m von uns entfernt ist. Dort liefen wir sofort in das warme Meer und starkten uns danach mit Reis, Steinen und Pommes. Am Abend, als die Sonne untergegangen war wurde es relativ kalt, daher gingen wir alle nach hause, duschten und setzten uns vors Haus, machten Musik, waerend wir auf den China- ud Pizzaservice warteten. Wir fiehlen alle frueh sehr muede ins bett. Die meisten von uns sind heute morgen so zwischen 6 und 7 Uhr aufgewacht, weil es total heiss war. Es hat gerade total geschuettet und einige sind direkt ins Meer gegangen und spielen jetzt Fussball. Unser Programm fuer heute besteht eigentlich nur aus schwimmen und einem Strandspaziergang. Wir schicken euch ganz viele, liebe Sonnengruesse aus Sao Luis!!!

Freitag, 29. Juni 2012

Das ist das Logo unserer T-shirts, die wir gerade beim letzten Treffen bekommen haben. Außerdem bekam jedeR sein bzw. ihr Flugticket und Projekt-Materialien zum "Beipacken". Die Spannung steigt....
Morgen geht es los!

Donnerstag, 28. Juni 2012

Und hier ist der Artikel:

Partnerschaft mit dem Regenbogen
Kultur und Austausch

Münster. An diesem Samstag (30.06.2012) reisen 15 Mitglieder aus der
Gemeinde St. Franziskus in Münster als "Team Biras" nach Timbiras in Brasilien. Dies ist alles andere als eine Pauschalreise: Die elf Jugendlichen, zwei jungen Erwachsenen und zwei erwachsenen Begleiter, die von Münster aus nach Timbiras in Brasiliens reisen, planen diese Reise seit zwei Jahren mit Vorbereitungstreffen alle zwei Wochen. Sie werden fast fünf Wochen im Nordosten Brasiliens sein und keinen Erholungsurlaub haben. Aber das wollen sie auch gar nicht. Sie wollen in jeder Hinsicht Grenzen überschreiten: Landesgrenzen sowieso, aber auch Kulturgrenzen und Sprachgrenzen. Sie wollen sich verausgaben – und das tun sie unter Einsatz jeder denkbaren Energie.

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2005 kamen zwei Brasilianer aus Timbiras als Gäste nach Münster, um von dort aus den Weltjugendtag mitzuerleben. Aus diesem Besuch entwickelte sich das Partnerschaftsprojekt "Arco-Iris – Regenbogen", ein Förderzentrum für Kinder. 2007 wurde für das Projekt ein Verein gegründet. Alle zwei Jahre erfolgen gegenseitige Besuche, mal in Münster, mal in Timbiras. Vor zwei Jahren belegten die jungen Erwachsenen aus der St.-Franziskus-Gemeinde mit "Arco-Iris" den dritten Platz beim Nord-Süd-Preis der Stadt Münster.

Und was hat der Verein inzwischen erreicht? Die Mitglieder haben dafür gesorgt, dass in Timbiras ein Haus gebaut werden konnte, in dem zurzeit fünf Festangestellte mit 60 Kindern arbeiten. Für diese Arbeit sammeln oder kaufen die Jugendlichen aus St. Franziskus derzeit Spiele und Büromaterialien, Handtücher und Plastikbehälter – eben alles, was die Partner in Brasilien benötigen. Es soll aber nicht nur darum gehen, Spendengelder und -materialien nach Brasilien zu schicken und zum Einsatz zu bringen. Das Projekt lebt auch von der freundschaftlichen Zusammenarbeit und davon, dass sich alle Beteiligten mit ihren Möglichkeiten einbringen.
Leben in Gastfamilien

In diesem Sommer wollen Deutsche und Brasilianer in Timbiras gemeinsam einen Spielplatz bauen. Auch auf das Spielen und Lernen im Vereinshaus freuen sich alle. Und auf das Leben in den Gastfamilien, die allerdings nur Portugiesisch sprechen. Da ist die erste Voraussetzung eine gute Kenntnis der Sprache, um miteinander reden zu können. Und das heißt: Die jungen Leute leisten sich einen wöchentlichen Sprachunterricht bei in Münster lebenden Brasilianern, den jeder selbst bezahlt.

In Brasilien wollen die Münsteraner nicht nur etwas über Land und Leute erfahren, sondern sie wollen auch vorstellen, was Deutschland und Münster, ihren Alltag und ihr persönliches Leben bestimmt. Zu diesem Zweck haben sie eine Art Kulturprogramm vorbereitet, bei dem sie – alles in Portugiesisch und mit großformatigen Abzügen charakteristischer Fotos – in Kurzreferaten erklären: was zum Beispiel ihr Leben in Münster ausmacht und welche persönlichen Ängste und Wünsche sie beschäftigen, beispielsweise der Klimawandel oder berufliche Möglichkeiten. Konkret werden soll das auch in Beiträgen mit Musik, Tanz und Spiel. Und diese Vorstellung ihrer Lebenssituation nehmen die jungen Leute nicht weniger ernst als die praktischen Voraussetzungen für den Bau eines Spielplatzes.

Auch alle anderen Bedingungen ihrer Reise haben die Jugendlichen im Blick: die notwendigen Impfungen, Medikamente und Moskitonetze, die Zuschüsse für die Reise, die selbstverständlich nicht aus den Spendengeldern finanziert ist, Geldwechsel und Kleidung für die außergewöhnlichen klimatischen Verhältnisse, als wären sie erfahrene Weltreisende.

Dabei sind bis auf Andreas Rehm, Pastoralreferent der St.-Franziskus-Gemeinde, alle zum ersten Mal auf dem Weg nach Brasilien.

Rehm fragte beim vorletzten Treffen: "Wie ist die Stimmung?" Ein Stimmengewirr ist die Antwort: "Die Spannung steigt", ist man sich einig. "Nur noch zwei Wochen." Und: "Zwei Wochen sind viel zu kurz." Aber auch: "Ich glaube trotzdem, dass wir ganz gut vorbereitet sind." Sie werden von ihren Erlebnissen berichten.