Liebe Leserinnen und Leser,
erst mal moechte ich mich bei allen entschuldigen,
die seit einiger Zeit an dieser Stelle vergeblich auf unsere Berichte aus
Timbiras gewartet haben.
Auf der einen Seite erleben wir hier einfach jeden Tag
so vieles Neues, Interessantes, Spannendes ...., auf der anderen Seite aber ist
oft so wenig Zeit dafuer, das alles aufzuschreiben und ins Internet zu
setzen! Wir sind oft genug schon froh, wenn wir ein wenig Zeit finden, um das
Erlebte in unserer Gruppe oder auch gemeinsam mit unseren Gastgebern zu
besprechen und zu planen, was hier als naechstes ansteht. Und das ist
wahrscheinlich auch typisch fuer das Leben hier: das man viel mehr im Hier und Jetzt ist als im
Spaeter und Anderswo.
Ausserdem funktioniert hier vieles ganz anders als
bei uns. Manches ist viel leichter, anderes ist viel umstaendlicher.
Einfacher ist es zum Beispiel, wenn man einen frischen Fruchtsaft trinken
moechte. Dann geht der Gastgeber einfach in den Garten, schneidet eine Frucht
ab, bereitet sie zu, steckt sie in den Mixer - fertig. Wenn ich aber ins
Internet will, muss ich erst mal genuegend Zeit haben, und dann als naestes einen Ort, wo es einen Computer mit Anschluss
gibt (Joisania hat zwar einen Computer, wartet aber seit einigen Tagen auf einen Anschluss!), dort muss
jemand zu Hause sein, gerade nicht am Computer etc. etc., Mueckenschutz nicht
vergessen, denn diese Tierchen nutzen gerade die Wehrlosigkeit der Menschen an
diesem Geraet total schamlos aus.
Einfacher als in Muenster war es gestern, als wir ueberlegten, dass es doch schoen waere, oben auf der Bruestung der
"Bar" im Projekthaus Fliesen zu legen, damit diese nicht so leidet,
wenn Glaeser und Behaelter darauf abgestellt werden. Joao kann Fliesen
legen (er kann wahrscheinlich jedes Handwerk), faehrt sofort los und zwei
Stunden spaeter ist alles fertig - Fliesen gekauft, geschnitten, geklebt,
Fugen verputzt, Anschluesse gemacht In Deutschland haette man
wahrscheinlich erst mal einen
Kostenvoranschlag aufgestellt und einen Architekten gesucht....
Schwieriger als
in Deutschland ist es, wenn man - wie
mein Gastgeber neulich mit mir - mal eben mit seinem Gast jemand besuchen
moechte und kein Auto oder Motorrad hat. Dann muss man erst mal ueberall
anrufen (hoffentlich hat man ein Telefon, sonst wird es noch komplizierter!)
und zwei Fahrer finden, die gleichzeitig Zeit haben und deren Motorrad
fahrtuechtig ist - natuerlich sollte der Tante, die man besuchen moechte,
auch zu Hause sein und das Programm eine zuverlaessige Luecke haben, die
nicht kurz zuvor durch irgendeine spoantane Idee gefuellt worden ist. Hat man
endlich jemand gefunden, steht man vor der Entscheidung, ob man die Fahrer in
der Zwischenzeit wieder nach Hause schickt oder "warten" laesst.
Ersteres ist mehr Aufwand fuer die Helfer, letzteres bedeutet, dass die
beiden die ganze Zeit dabei sitzen und auch unterhalten und bekoestigt werden
muessen...
Also, ich hoffe, Ihr habt nun ein wenig
Verstaendnis, warum hier seltener etwas zu lesen war und sein wird, als wir
es urspruenglich gedacht hatten.
Es folgen nun einigen Kurzberichte, die ich in den
ersten Tagen geschrieben habe:
- ueber unsere Ankunft
- ueber unsere zuvorkommenden Gastfamilien und
- ueber unseren ersten Rundgang durch das
Stadtviertel ("bairro"), in dem unser Projekthaus liegt.
Viel Vergnuegen
beim Lesen!
Euer Andreas